liquid edge

Als Barockmusiker einerseits und als Komponist und bildender Künstler andererseits, bewege ich mich im Spannungsfeld zwischen dem 18. und dem 21. Jahrhundert. Das 18. Jahrhundert, das Zeitalter der Aufklärung, stellt die Hochblüte einer damals noch in sich geschlossenen abendländischen Kultur dar. Mich interessiert die Alte Musik (jede Musik die nicht im 21. Jh komponiert wurde) nur soweit, als ich sie für mich im postmodernen, globalisierten Heute fruchtbar machen kann. Das Spielen, im wahrsten Sinne des Wortes, klassischer Musik vor 1800 nährt und eicht mein Musikempfinden. Meine eigene, flüssige Musik und bildnerische Kunst entwickle ich intuitiv und spielerisch, mithilfe verschiedener Materialien, Medien und Klangerzeuger. Im Besonderen beschäftigt mich die Verschränkung von Musik, Performance und bildnerischer Kunst zu einem immersiven Gesamterleben. Ein ergebnisoffenes Experimentieren soll die Tür aufstoßen in neue, zukunftsweisende Räume.

Kunst muss nicht plakativ politisch sein, die Kunst ist frei. Aber damit sie frei sein kann, braucht es Rahmenbedingungen, die die Autonomie der Kunst gewährleisten. Sobald diese Autonomie bedroht ist, ist der Künstler, die Künstlerin gefordert politisch Stellung zu beziehen und für diese Autonomie einzustehen. Multiple Krisen überlagern sich heute, spitzen sich global immer mehr zu und gefährden nicht nur die Autonomie der Kunst, sondern alles Leben auf diesem Planeten. Alle diese Krisen, allen voran die Klimakrise, hängen direkt oder indirekt mit unserem Wirtschaftssystem zusammen. Der Kapitalismus ist der zum System manifestierte Egoismus. Hochskaliert zu riesigen börsennotierten multinationalen Konzernen beutet dieser Mensch und Natur aus und ist voll im Gange unser aller Lebensgrundlagen zu zerstören. Mein Bestreben zielt heute darauf ab, Wege zu finden und anzustoßen, um die DNA des Kapitalismus zu verstehen, aufzubrechen und zu transzendieren  - im alltäglichen Handeln neue Räume zu finden, die eine Transformation vom ICH zum WIR eröffnen. Ein essentieller Baustein darin ist sich dem gewöhnlichen System von Lohnabhängigkeit so gut als möglich zu verweigern und echte kooperative und radikal demokratische Alternativmodelle zu entwickeln und in Projekten zu implementieren. Die gegenwärtige Systemkrise ist auch eine fundamentale Krise der Demokratie. Unsere repräsentativen Demokratien erweisen sich immer mehr als absolut handlungsunfähig um adäquate Maßnahmen zu setzen und der Klimakrise entgegen zu wirken. Wir stehen heute auf einem Scheideweg. Der Status Quo ist nicht mehr lange aufrecht zu erhalten und wenn es zu den ersten einschneidenden systemischen Zusammenbrüchen kommt, werden sich zwei Möglichkeiten auftun: ein radikales Mehr an Demokratie, oder keine Demokratie. In so einer Situation wird es von entscheidender Bedeutung sein, dass es erprobte, erfolgreiche und für alle Beteiligten faire Modelle gibt, auf die die Gesellschaft dann zurückgreifen kann, um ein alternatives Handeln und Miteinander zum Wohle aller zu organisieren. Auf diese Weise haben wir zumindest eine Chance, dass die Gesellschaft aus ihren Fehlern lernen wird und nicht automatisch alte autoritäre Reflexe reaktiviert. 

Ich bewege mich auf dem Spielfeld der Kunst. Die absolute und existentielle Dringlichkeit der Klimakrise drängt mich innerlich dazu dieser unbequemen Realität ins Auge zu schauen und die daraus sich ergebenden Konsequenzen, Ideen, Emotionen, alternativen Arbeitsmodelle und spirituellen Fragen in meine Kunst zu integrieren, zu bündeln und zu transportieren. 

Ich glaube, dass wahres revolutionäres und veränderndes Potential in der Kunst liegen kann, nämlich dann wenn sie den ganzen Menschen erschüttert und berührt.  

 

 

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