liquid music

Flüssige Musik entwickle ich aus einem anderen Empfinden für Rhythmus und der Idee eines Zusammenspiels verschiedener Musiker innerhalb eines Klangraumes, wo ein Kommunizieren und Reagieren angeregt wird, gleichzeitig aber ein großes Maß an individueller Freiheit gewährleistet ist.  

Die meiste Musik funktioniert und wird synchronisiert durch ein für alle Musiker verbindliches vertikales Zeitmaß. Liquid Music ist der Versuch, die Musik sozusagen aus diesem Korsett zu befreien. Verschiedene Motive und Klanggesten werden auf verschiedene Stimmen und Instrumente verteilt und innerhalb eines bestimmten harmonischen Klangraumes verhandelt. Jede Geste folgt der ihr eigenen rhythmischen Logik, die sich, ganz ähnlich wie in der Barockmusik, aus dem Verhältnis von Gestik und melodischer Binnenspannung ergibt. Diese Gesten werden von den Musikern in den Raum projiziert und reagieren wie einzelne Klang-Teilchen aufeinander. Es wird eine Kettenreaktion ausgelöst, die wie bei flüssigen Wellen, musikalische Bewegung in einem Schwebezustand hält. 

Ein besonderes Anliegen ist es mir, Zwischenräume verschiedener Genres auszuloten, Assoziationsräume zu öffnen, ohne die Hörerwartungen eines spezifischen Genres zu bedienen. Wo die meiste Filmmusik z.B. sich an tradierten Hörgewohnheiten bedient, um reflexartige emotionale Trigger beim passiven Hörer auszulösen (z.B. wenn es traurig wird, muss ein romantisches Cello-Solo herhalten), verlangt meine Musik dem Zuhörer ein aktives Hören ab. Die von meiner Musik erzeugten Assoziationsräume, die in verschiedene musikalische Richtungen dehnbar sind und bewusst Leerstellen beinhalten, müssen vom Zuhörer anteilig selbst mit eigener Phantasie gefüllt werden. 

Meine Musik verstehe ich als Kunstmusik im westlichen Sinne, auch wenn sie Elemente verschiedner, auch außereuropäischer Popularmusik integrieret. Ich bediene mich am ganzen Erfahrungsschatz v.a. westlicher Kunstmusik. Genauso wie B. A. Zimmermann halte ich die Idee einer linearen Entwicklung klassischer Musik im Sinne eines Fortschritts für überholt. Im Unterschied zur Collage- und Überlagerungs-Technik des Kölner Komponisten bemühe ich mich um einen radikal reduzierten pluralistischen Stil. In den kleinsten musikalischen Partikeln lässt sich manchmal ein ganzer Assoziationskosmos erschaffen, ohne Dogmatismus quer durch den Gemüsegarten. Verbindender roter Faden meiner Musik ist meine an der Barockmusik geschulte Klangsensibilität und Ökonomie der Reizsetzungen, die auf ein erlebbar machen von grundlegenden und einfachen, vielleicht archaischen Elementen von Klang als Musik abzielen - Melodie, Harmonik und Puls. Mithilfe einer fast naiven, kindlichen Beziehung zum Klangzauber spezifischer akustischer Instrumente, gelingt es mir ein in der Neuen Musik oft vernachlässigtes Element in die Kunstmusik zu retten - die Melodie.