liquid music

Flüssige Musik entwickle ich aus einem horizontalen, melodischen Empfinden für Rhythmus und der Idee eines Zusammenspiels verschiedener Musikerinnen und Musiker innerhalb eines Klangraumes, wo ein Kommunizieren und aufeinander Reagieren angeregt wird. 

Die meiste westliche Musik funktioniert und wird synchronisiert durch ein für alle Musiker verbindliches vertikales Zeitmaß. Flüssige Musik ist der Versuch, die Musik sozusagen aus diesem Korsett zu befreien. Verschiedene Motive und Klanggesten werden auf unterschiedliche Stimmen und Instrumente verteilt und innerhalb eines bestimmten harmonischen Klangraumes verhandelt. Jede Geste folgt der ihr eigenen rhythmischen Logik, die sich, ganz ähnlich wie in der Barockmusik, aus dem Verhältnis von Gestik und melodischer Binnenspannung ergibt. Diese Gesten werden von den Musikern in den Raum projiziert und reagieren wie einzelne Klang-Teilchen aufeinander. Es wird eine Kettenreaktion ausgelöst, die wie bei flüssigen Wellen, die musikalische Bewegung in einem Schwebezustand hält. 

Um diesen Assoziationsraum zu kreieren, offen zu halten und in verschiedene Richtungen auf der musikalischen Landkarte treiben zu können, bediene ich mich eines einfachen Tricks: Der rhythmische Unterbau, der sofort ein spezifisches musikalisches Genre zementiert, wird einfach weggelassen; die Musik wird über organische, oft fast barocke Pulseinheiten organisiert und ergründet auf diese Weise immer wieder aufs Neue das Spannungsverhältnis zwischen individueller Freiheit auf der einen Seite und kollektiver Stringenz auf der anderen Seite.